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2019 im Zeichen von Francis Durbridge

Francis Durbridge? Die Älteren unter uns werden sich an die Straßenfeger aus den 1960ern erinnern, die Groß und Klein vor den Fernsehern versammelten…

Durbridges „Plötzlich und unerwartet“ spielt in und um London. Ein Kriminalstück, bei dem nicht immer alles geradlinig verläuft. Manchmal passieren Dinge, plötzlich und unerwartet.

DIe Aufführungen werden am 22. und 23. November 2019 sein.

Pom, Pom, di Pom

Eine vorweihnachtliche Bescherung bot die Theatergruppe Blumhardt mit dem Stück „Schöne Bescherungen“ von Alan Ayckbourn seinem treuen Publikum am 23. und 24. November.
Eine weihnachtliche Besinnlichkeit blieb diesem Publikum allerdings versagt. Denn sollte man nun Lachen oder Weinen?
So sind doch die interfamiliären Festtagskonflikte süffisant und präzise in Form der verschiedenen Charaktere eindrücklich auf die Bühne gebracht worden.
Kaum ein Auge blieb trocken als der grandiose lebensuntüchtige Puppentheaterspieler Bernard, gespielt von Christoph Fauser, die Schweinchen Nummer eins, zwei und drei ins Rennen um die Gunst seines Publikums schickte. Seine Schwipschwägerin spielte mit vorweihnachtlicher Philosophie, vollem körperlichem Einsatz und der Erkenntnis, dass nach acht Ehejahren selbst der Begriff Freundschaft die Beziehung eines Ehepaares zu positiv beschreibt. Helen Albrecht verkörperte präsent und engagiert die Belinda. Matthias Methner spielte überzeugend den militanten Onkel Harvey, dessen Wirken und Denken wenig mit den weihnachtlich, christlichen Werten gemein hatte.
Interesse an Drinks und Technik, aber auf keinen Fall an der lästigen Ehefrau, demonstrierte Andreas Leukert-Knapp in sehr gekonnter Weise. Als Neville parodierte er den Schuppentüftler und zog Eddie alias Moritz Tzschaschel mit in seinen Bann. Dieser ignorierte sehr konsequent und authentisch seine hochschwangere Frau Pattie. Stefanie Leitz hatte für diese Rolle ein gutes Gespür und erregte nicht nur durch den schimpfenden Bernard „zieh doch den Bauch ein“ viel Mitleid unter den Zuschauern. Über alle weihnachtliche Sorgen erhaben, trank sich Phyllis, Christiane Kaltschmitt, die Festtage so glaubhaft schön, dass man sie beinahe beneidete. Irina Huppert als Rachel und Oliver Deus als Clive rundeten als verschmähte Liebe und unerwartetem Objekt der Begierde dieses Ensemble mit vielen neuen Akteuren ab.
Lotte und Joanna Hofstra liehen der Aufführung ihre Stimmen, für Licht und Ton zeichnete sich David Knapp verantwortlich, Claudia Maurer, Fynn Fehrenbach, Tatjana Abel-Miloseska und DHpro Veranstaltungsservice sorgten für einen reibungsfreien Aufbau und Ablauf rund um die Bühne.

Monika Jost-Ullmann

Schöne Bescherungen zu Weihnachten 2018

Weihnachten! Das Fest der Liebe! Das Fest der Familie! Ein bunt geschmückter Weihnachtsbaum, tolle Geschenke, leckerer Festtagsbraten, gute Gespräche, ein bisschen Alkohol, strahlende Gesichter. Leider klappt das nur selten. In Alan Ayckbourns klassischer Weihnachtskomödie „Schöne Bescherungen“ artet es aus: Ein unvollendeter Weihnachtsbaum, unpassende Geschenke, trockener Festtagsbraten, gereizte Gespräche, viel zu viel Alkohol und genervte Gesichter.

Im Haus von Neville und seiner Frau Belinda trifft sich die Familie: Drei Ehepaare, zwei Singles und ein attraktiver junger Schriftsteller. Eine gefährliche Mischung. Die Erwartungen liegen hoch und am Ende die Nerven blank:

Zwei Männer, die sich nicht um ihre Ehefrauen sondern um kaputte Weihnachtsgeschenke kümmern; ein gewaltverherrlichender Onkel, dem das Fernsehprogramm wichtiger ist als das Zwischenmenschliche; eine Ehefrau, die frustriert Befriedigung unter dem Weihnachtsbaum sucht; eine Schwangere, die ihr Kind eigentlich gar nicht will; eine Alkoholikerin, der der Lammbraten misslingt; eine Single-Frau, die für den Falschen schwärmt; ein Schwager, der die Kinder mit seinem Puppentheater langweilt („Die drei kleinen Schweinchen“) – und ein Gast, der bereut gekommen zu sein. 

Weihnachten – das (Familien-)Fest der Krise. Und irgendwie alles andere als „Schöne Bescherungen“…

Theater Blumhardt spielt Alan Ayckbourns Komödie „Schöne Bescherungen“ am Freitag und Samstag 23./24.11.2018 im Hermann-Maas-Haus, Hegenichstr. 22, 69124 Heidelberg-Kirchheim. Beginn: 19.30 Uhr.

Rezension: Der Seelenbrecher

von Monika Jost-Ullmann

Tumult und Grusel, wer einen Theaterbesuch am 24. oder 25. November 2017 nach Kirchheim ins Herrmann- Maas-Haus wagte, bekam davon reichlich. Bis zum Schluss konnte die Spannung gehalten werden, bis sich der Seelenbrecher bzw. die Seelenbrecherin entlarvte.

Großartige Actionszenen quer durch den großen Saal, mit einer Krankenliege und einem Patienten mit Messer im Hals, authentische Radiobeiträge, Kinder-Stimmen aus dem Kopf und etliche furchteinflößende Blutspuren ließen das Publikum wissen, dass dieser Abend nichts für schwache Nerven war.

Szenen rund um eine psychiatrische Privatklinik, kurz vor Weihnachten, den Seelenbrecher inkludiert, ließen den Atem des Publikums stocken.

Andreas Leukert-Knapp spielte den unter Amnesie leidenden Patienten Caspar so glaubhaft und verzweifelt, dass er als Täter schnell aus der imaginären Liste gestrichen werden konnte. Eher hätte man es doch dem rastlosen, hektisch agierenden Tom Schadeck, alias Matthias Methner, zugetraut. Getrieben von Misstrauen und machohaftem Gehabe überzeugte dieser als Rettungssanitäter. Und wer hätte gedacht, dass hinter der Fassade der einfühlsamen Frau Dr. Dorn, der Seelenbrecher, sein Unwesen treibt? Helen Albrecht kann es einfach. Sowohl die leisen, wie auch die lauten Töne. In der Schlussszene war es mucksmäuschenstill im Publikum. Sie hatte uns alle im Griff. Mit Ihrer subtilen, etwas verdrehten Geschichte, fing sie uns ein und lies uns lauschen. Katrin Weißer als Yasmin Schiller bestach zunächst einmal durch ihr schrilles Outfit. Sehr cool! Sie spielte die punkige Krankenschwester gekonnt. Christoph Fauser gab den herrischen Chefarzt Prof. Dr. Raßfeld souverän. Schade, dass er nach der Pause im Kühlfach der Pathologie verschwand. Mitleiderregend, die Furcht ins Gesicht geschrieben, mimte Thomas Wenzel den zittrigen Hausmeister Dirk Bachmann und fand in der in sich ruhenden Patientin Greta, dargestellt durch Christiane Kaltschmitt, einen echten Gegenpol. Stumm und dennoch nicht leise spielte Oliver Deus als Dr. Bruck eine nicht unerhebliche Rolle in diesem Psychothriller, indem die Macht der Psyche und deren Manipulation ein zentrales Thema waren.

Das Gelingen eines solchen Abends ist immer auch von nicht sichtbaren Helferinnen und Helfern abhängig. So arbeitete Tatjana Abel-Miloseska zuverlässig als Souffleuse, Lea Knapp lieh ihre Stimme für die Einblendungen der Kinderstimmen, Matthias Wiest war als Nachrichtensprecher zu hören, David Knapp kümmerte sich um die Technik und Daniel und Christoph Horsch sorgten für die technische Ausstattung.

Herbst 2017: Der Seelenbrecher

Dieses Jahr spielen wir den Thriller ‚Der Seelenbrecher‘ nach dem Bestseller von Sebastian Fitzek.

EIne einsame Klinik – im Schneesturm abgeschnitten von der Außenwelt – mit einem Psychopathen, der seine Opfer in den Todesschlaf versetzt…

Zu sehen am 24. und 25. November 2017 um 19:30 im Hermann-Maas-Haus in Heidelberg Kirchheim (Hegenichstraße 22).

 

 

Rezension: Komödie im Dunkeln

Ende April war es wieder soweit: Die Bühne des Theater Blumhardt öffnete sich für seine immer größer werdende Fangemeinde und belohnte sein Publikum mit einer Komödie, die ein kurzweiliges Amüsement bot.

Der ein oder andere dachte zu Beginn des Spiels vielleicht noch, dass es nun aber endlich mal Zeit wäre den Lichtschalter zu betätigen. Tja, falsch gedacht. Zunächst wurde im Dunkeln gespielt, bis es zu einem Stromausfall kam, ab dem unsere Protagonisten nichts mehr sahen. Und dann tapsten sie über die Bühne, stolperten, verfingen sich in der Telefonschnur, kuschelten freiwillig oder unfreiwillig miteinander und entfesselten ein wahres Feuerwerk an Lachsalven, welches ihr treues Publikum kaum auf den Stühlen hielt.

Thomas Wenzel, in diesem Stück in einer Hauptrolle zu sehen, mimte glaubhaft den überforderten Lover, der trotz mannigfacher Versuche das Chaos in den Griff zu bekommen, sich nur immer mehr in den Wirren der Dunkelheit verlor. 

Seine gekonnt gespielte Verlobte, Katja Ludwig, tappste wirr ins Schwarze blickend zwischen Bar und gestrengem Vater, klasse dargestellt von Christoph Fauser, umher und zog am Ende des Stückes als enttäuschte Betrogene von dannen. Helen Albrecht mimte sehr mutig, ultra komisch mit stets fallendem Lockenwickler, eine verängstigte Nachbarin, die sich vor der Finsternis fürchtete. Ein weiterer Nachbar, gespielt von Andreas Leukert-Knapp, überzeugte herrlich als selbstverliebter Kunstsammler, der es überhaupt nicht schätzte, dass sein Inventar plötzlich bei den Nachbarn zu finden war. Köstlich auch Matthias Methner in einer Nebenrolle als Elektriker mit sympathischem Akzent. Kathrin Weißer und Christiane Kaltschmitt trugen mit ihren Rollen als verflossene oder vielmehr aktuelle Liebhaberin und reicher Kunstsammler ebenso zur Beststimmung der Zuschauer bei. 

Nicht möglich wäre dieser heitere Theaterabend in Kirchheim ohne Tatjana Abel-Miloseka als Souffleuse, Claudia Maurer und Daniel und Christoph Horsch gewesen, die wie immer hervorragend Ton, Licht und die technische Ausstattung managten.

Da freuen wir uns doch schon auf das nächste Mal, wenn uns die Theatergruppe Blumhardt zu einem Besuch einlädt.

Monika Jost-Ullmann